Mansfeld Museum

in Hettstedt

 

 

   


Wappen der Grafen von Mansfeld


Nappian und Neucke - die sagenhaften Begründer des Mansfelder Kupferschieferbergbaus
     

Seit dem Mittelalter ist das Mansfelder Land - die ehemalige Reichsgrafschaft Mansfeld - durch seinen zeitweise sehr ergiebigen Kupfer- und Silberbergbau bekannt geworden. Die Grundlage bildete das Kupferschieferflöz, das zwischen Hettstedt und Eisleben an mehreren Stellen zu Tage trat. Vor ca. 250 Millionen Jahren entstand dieses Erz, das sich als unscheinbare schwarze, schiefrige Mergelschicht in einem weiten Bereich Mitteldeutschlands in mehr oder weniger großer Tiefe finden läßt, als älteste Ablagerung des Zechsteinmeeres. Nirgendwo sonst wurden aber so hohe Metallgehalte vorgefunden - z. B. 2 bis 3,5 % Kupfer - wie in der vom östlichen Harzrand bis zur Saale reichenden, geologischen Mansfelder Mulde.

Um das Jahr 1199 soll der Bergbau auf den Kupferschiefer am Kupferberg bei Hettstedt begonnen worden sein, wobei ein Zusammenhang mit Neuerungen vermutet werden darf, die in dieser Zeit in die metallurgische Schmelztechnik Eingang fanden und die die Verhüttung dieses schwierig zu nutzenden Erzes möglich machten. Schnell breitete sich danach der Bergbau- und Hüttenbetrieb über Mansfeld bis nach Eisleben aus. Die erste große Blütezeit des Mansfelder Bergbaus setzte in der zweiten Hälfte des

15. Jahrhunderts ein, nachdem mit dem Kupferseigerverfahren ein Mittel zur wirtschaftlichen Gewinnung des Silberanteils des Rohkupfers zur Verfügung stand. Bergherren waren die Grafen von Mansfeld, und die Hütten und zugehörigen Schächte wurden von den Hüttenmeistern in Pacht betrieben. Auch der Vater des Reformators Martin Luther - Hans Luther - war Mansfelder Hüttenmeister und Bergmann.

Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts zählte Mansfeld zu den drei größten Kupfer- und Silbererzeugern Europas, neben Schwaz in Tirol und Neusohl (Banská Bystrica) in der heutigen Slowakei. Bis zu 1 600 t Kupfer und 8 000 kg Silber jährlich wurden damals ausgebracht.


Nach dem Niedergang während des Dreißigjährigen Krieges erfuhr der Betrieb einen erneuten Aufschwung im Jahr 1671 durch die sogenannte Freilassung des Bergbaus. Mit der neuen Bergordnung waren die Voraussetzungen geschaffen worden für die Entstehung von Kapitalgesellschaften, den Gewerkschaften. Eine neue Blütezeit trat jedoch erst nach 1852 ein, nachdem sich die vereinigte "Mansfeldsche Kupferschiefer bauende Gewerkschaft" gebildet hatte. Im Zuge der allgemeinen Industrialisierung entstanden modernere, leistungsfähige Großschachtanlagen und Hüttenbetriebe.


Mansfeld Museum

1909 wurde das Walzwerk Hettstedt errichtet, in dem das erzeugte Kupfer zu Halbzeug aus Kupfer, Messing und anderen Legierungen weiterverarbeitet wurde. Damit konnte das wirtschaftliche Ergebnis des gesamten Betriebes, das seit den 1890er Jahren aufgrund steigender Bergbaukosten und sinkender Marktpreise zunehmend ungünstiger ausfiel, für einige Jahre ausgeglichen werden. Seit den 30er Jahren dieses Jahrhunderts existierte der Mansfelder Bergbau- und Hüttenbetrieb nur noch mit staatlichen Subventionen. Trotzdem wurden nach dem 2. Weltkrieg die absolut höchsten Produktionsmengen erzielt, mit rund 25 000 t Kupfer und 150 t Silber im Jahr. Außerdem wurden Blei, Zink, Nickel, Vanadium, Gold, Palladium, Rhenium, Germanium, Selen und andere chemische Elemente ausgebracht. Weitere wichtige Erzeugnisse waren Pflaster- und Bausteine aus Kupferschlacke sowie Schwefelsäure.

1969 aber, nach 770 Jahren, war das Ende erreicht, als die letzte Schachtanlage der Mansfelder Mulde ihre Förderung einstellte. In den folgenden Jahren ging der Kupferschieferbergbau im Sangerhäuser Revier weiter, bis er 1990 auch dort eingestellt wurde. Heute verarbeitet die Kupferhütte in Hettstedt Kupferschrott und auf dem Weltmarkt gekauftes Rohkupfer, und das Walzwerk Hettstedt, nun ein Betrieb des belgischen Unternehmens Lamitref, ist dabei, sich mit Blechen, Rohren und Drähten bester Qualität einen Platz auf dem Markt zu sichern.

Kupferhütte in Hettstedt Kupferschrott und auf dem Weltmarkt gekauftes Rohkupfer, und das Walzwerk Hettstedt, nun ein Betrieb des belgischen Unternehmens Lamitref, ist dabei, sich mit Blechen, Rohren und Drähten bester Qualität einen Platz auf dem Markt zu sichern.

Im Jahr 1785 entstand auf dem König-Friedrich-Schacht bei Hettstedt die erste deutsche Dampfmaschine Wattscher Bauart. Zum ersten Mal war damit eine solche Dampfmaschine von deutschen Technikern und Arbeitern gebaut worden. Sie diente der Wasserhaltung, indem sie mit großen Pumpen die Grubenwässer des Burgörner-Reviers bei Hettstedt aus ca. 100 m Teufe hob. Die Maschine hatte eine erhebliche Initialwirkung bezüglich des Dampfmaschineneinsatzes im deutschen Berg-, Hütten- und Salinenwesen und verkörperte einen bedeutenden Schritt der Entwicklung des Maschinenbaus. Anlässlich des 200. Jahrestages ihrer Inbetriebnahme wurde die Dampfmaschine vom Maschinenbaubetrieb des Mansfeld-Kombinats, dessen Wurzeln in der ersten kleinen Werkstatt des Jahres 1785 lagen, mit großer Sorgfalt und unter Anwendung zum Teil alter Fertigungsmethoden originalgetreu nachgebaut. Das feierlich begangene Jubiläum war gleichzeitig die Geburtsstunde des Mansfeld-Museums, das als technisches Museum und Forschungsstätte für die Geschichte des Mansfelder Kupferschieferbergbaus im September 1989 eröffnet werden konnte. Die Dampfmaschine ist seine Hauptattraktion.

Aus Mansfelder Silber: Taler von 1667


Das Museum, zu dessen Ausbau und Ausstattung Bund und Land Sachsen-Anhalt bedeutende Fördermittel beisteuerten, hat seinen Sitz im rekonstruierten barocken "Humboldtschlößchen" im Hettstedter Ortsteil Burgörner-Altdorf. Hier lernte Wilhelm von Humboldt seine spätere Frau Caroline von Dacheröden kennen, und nach ihrer Heirat 1791 verbrachten beide einige Jahre in Burgörner. Seit Ende des vorigen Jahrhunderts gehörte der Besitz der Mansfeldschen Kupferschiefer bauenden Gewerkschaft (später Mansfeld AG), die das alte Herrenhaus als Wohnhaus für leitende technische Beamte nutzte.

In seiner ständigen Ausstellung ermöglicht das Museum Einblicke in die schwere Arbeit der Mansfelder Berg- und Hüttenleute und zeigt unter anderem bergmännisches Gerät und Geleucht, Münzen der Grafschaft Mansfeld und Ausbeutemedaillen sowie seine interessante Sammlung zur Geologie und Mineralogie der Kupferschiefer- Lagerstätte. Seit 1991 ist der Landkreis Mansfelder Land Träger der Einrichtung.

Auf dem großen Freigelände vermitteln technische Sachzeugen Eindrücke von der Erzgewinnung und -verhüttung sowie von der Weiterverarbeitung des Metalls zum gebrauchsfähigen Halbzeug. Die parkähnliche Gestaltung lädt bei schönem Wetter zum längeren Verweilen ein. Ein Handhaspelschacht, Strecken und Abbauorte sowie Tagesanlagen und Halden wurden nachgestaltet und geben zusammen mit bergbaulichen Geräten Einblicke in die Entwicklung der Arbeit des Mansfelder Bergmanns. Der Bergbaubereich wird überragt von einer originalen Seilscheibe als Sinnbild der Bergbautechnik schlechthin. Das Museumsangebot wird vervollständigt durch eine übertägige Besichtigung des nur 250 m entfernten Lichtlochs 24 des Schlüsselstollens, eines der wenigen heute noch offenen Wetterschächte des Reviers.


Lichtloch 24


Blick ins 90m tiefe Lichtloch (zum vergrößern klicken)

Zur Verhüttung des Kupferschiefers wird den Besuchern derzeit ein Kupferkonverter der ehemaligen Bessemerei gezeigt, wie er seit 1926 zur Umwandlung des Kupferrohsteins in Schwarzkupfer in Gebrauch war.

Neben anderer Hüttentechnik sind vor allem ein Großgaswäscher für die Abscheidung von Flugstäuben aus dem Gichtgas der Öfen, eine Kupferelektrolysezelle mit Anoden und Kathoden zur Raffination des Kupfers und Abtrennung der Edelmetalle und des Nickels zu nennen sowie die Gießeinrichtung für die Herstellung von Schlackensteinen (Plastersteine und Bauformsteine). Der Aufbau eines originalen Wassermantel- Schachtofens zum Schmelzen des Kupferschiefers und anderer Öfen wird zur Zeit vorbereitet.

Der in Mansfeld immer besonders aufwendige Erz-, Holzkohle- und Materialtransport wird durch einen sogenannten Höhlwagen, ein Pferdefuhrwerk für den Kupferschiefertransport von den Schächten zur Hütte, dokumentiert. Eisenbahnfreunde finden eine Dampf- lokomotive (1931 von Orenstein & Koppel) und verschiedene Waggons der Mansfelder Bergwerksbahn, die seit 1880 alle Schächte und Hütten miteinander verband.


Schlackenstein-Gießgruben und Schlackenbahn zur Herstellung von Pflastersteinen

Die Halbzeugherstellung ist derzeit besonders gut mit originalen Maschinen vertreten. Prunkstück dieses Ausstellungsteils ist ein komplettes Rohrwalzwerk System Mannesmann aus der Anfangszeit des Walzwerkes Hettstedt, mit dem bis 1990 aus gegossenen Kupferbolzen Rohre hergestellt wurden. Die Aufstellung wurde durch die Firma Mannesmann - Demag AG unterstützt.

Von den weiteren interessanten Ausstellungsstücken können hier nur einige stellvertretend erwähnt werden, das aus dem Jahr 1914


Auch das Humboldtschlößchen selbst ist mit seiner einzigartigen zweiläufigen Treppe aus dem Jahr 1726 sehenswert. Der schöne Saal wird regelmäßig für Konzerte und andere Veranstaltungen genutzt. Wechselnde Sonderausstellungen bereichern das Angebot des Hauses. Die Bibliothek mit ihrem Buch- und Zeitschriftenbestand zu Technik und Kultur - nicht nur des Mansfelder Kupferschieferbergbaus - steht den Besuchern zur Verfügung. Ebenso kann das umfangreiche Archiv mit historischen Rissen, Schriftdokumenten, Filmen und anderem von Besuchern und Interessenten genutzt werden.

An einigen Tagen des Jahres läßt sich ein Museumsbesuch mit einer Fahrt mit der Mansfelder Bergwerksbahn verbinden. Der Verein Mansfelder Bergswerksbahn e. V. unterhält mit viel Engagement die heute noch vorhandene Reststrecke zwischen Klostermansfeld und Hettstedt (Eduardschacht). Für die Fahrten, bei denen man einen schönen Eindruck vom Mansfelder Land erhält, können sich die Besucher auch im Mansfeld-Museum anmelden.


Mansfelder Bergwerksbahn mit der Halde des Thälmannschachtes im Hintergrund